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Rezension: Niemands Land

VonCarmen Hübner

Aug 28, 2020

1816, gleich nach dem Wiener Kongress, erhoben sowohl Preußen als auch die Niederlande Anspruch auf ein kleines Gebiet in der Nähe von Aachen, in dem sich eine lukrative Zinkmiene befand. Aber man konnte sich nicht einigen – und so entstand ein eigenartiges Mikro-Land: Neutral-Moresnet. Das Provisorium hielt sich über hundert Jahre, und Moresnet wurde zu einem Eldorado für Schmuggler, Abenteurer und Träumer aller Couleur – bis es im Ersten Weltkrieg von den Deutschen besetzt wurde und kurz danach an Belgien fiel. Philip Dröge erzählt, wie er mitten in Europa zu einem Staat kommen konnte, den die Welt vergessen hatte.

Ich wohne in Aachen und ich interessiere mich für Geschichte. Merkwürdigerweise hatte ich noch nie etwas über dieses Niemandsland bei mir um die Ecke gehört. Deshalb habe ich schon länger mit dem Buch geliebäugelt und neulich habe ich es mir gekauft und war begeistert.
Es ist sehr unterhaltsam geschrieben. Jedes Kapitel beginnt mit einer historischen Person und einer Skurrilität. So erfahren wir im ersten Kapitel, dass Napoleon gerne badete und eine Spezialwanne hatte, in der das Wasser heiß gehalten werden konnte. Dafür bekam der Erfinder dieser Wanne die Schürfrechte an einer Zinkmiene in der Nähe von Kelmis, die in den nächsten hundert Jahren die Geschichte prägen sollte. Weil nach dem Sturz Napoleons Preußen und die Niederlande (Belgien entstand erst im Jahr 1830) die Gewinne aus der Zinkförderung haben wollten, bzw. sie dem Anderen nicht gönnten, entstand eine neutrale Zone. Das ist aber im Staatsrecht nicht vorgesehen und so kam es zu vielen Verwicklungen, Unannehmlichkeiten und Freiheiten für die Bewohnerinnen. Es wurde geschmuggelt und ein Spielerparadies entwickelte sich.
Da Preußen und die Niederlande (später Belgien) gemeinsam über das Land entschieden, dauerte es ewig, bis wirklich etwas entschieden wurde.
Das Buch ist nicht nur ein gutes Geschichtsbuch über ein vergessenes Stück Land, sondern auch ein unterhaltsames Geschichtenbuch. Ich habe es sehr gerne gelesen.

Philip Dröge: Niemands Land
erschienen 2018 bei Piper
Taschenbuch
284 Seiten
11,- €

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